Diagnose Hüftdysplasie

Was nun..?

LucyBei unserem Golden Retriever wurde im Alter von einem Jahr mittel bis mittel-schwere Hüftdysplasie (HD) festgestellt. Die folgenden Zeilen sollen den Lesern und Hundebesitzer Mut und Hoffnung geben. Die Diagnose Hüftdysplasie (HD) hatte anfangs auf meine Freundin und mich auch erstmal eine erschlagende Wirkung gehabt. Doch eines möchte ich Vorweg nehmen, diese Diagnose vernichtet keinesfalls die Chance des Hundes auf ein normales Hundeleben bestehende aus Spazieren gehen, Laufen, Rennen und Spielen. Es gibt meines Erachtens nur zwei Dinge, die man beachten muss. Erstens, die HD möglichst früh erkennen, am besten Hunde HD gefährdeter Rassen nach einem Jahr Röntgen lassen, egal ob beim Hund Anzeichen auftreten oder nicht. Zweitens, die HD behandeln lassen, um den gesunden Bewegungsapparat zu erhalten.

Wie wir zu unserem Hund kamen

Meine Freundin und ich haben uns im Spätsommer 2007 für einen Hund entschieden. Wir favorisierten dabei die Rasse der Golden Retriever. Für uns war es nicht wichtig einen Hund mit oder ohne Papiere zu holen, er sollte bloß von klein an bei uns aufwachsen. Das die Golden Retriever Rasse von Hüftdysplasie (HD) gefährdet ist war uns bekannt. Trotzdem entschlossen wir uns den Hund von einer regionalen Hobbyzüchterin ohne Papiere zu kaufen. An dieser Stelle würde ich jedem Interessent empfehlen sich den Züchter gut auszusuchen, es empfiehlt sich vermutlich doch einen Hund mit Zuchtpapiere zu kaufen, um die HD Wahrscheinlichkeit einzugrenzen. Doch leider gibt es auch bei HD freien Eltern und Großeltern keine Garantie, dass die Nachkommen keine Hüftdysplasie besitzen.

Lucy kam dann Ende Oktober 2007 zu uns. Sie lebte sich sehr schnell bei uns ein und freundete sich ebenso schnell mit unseren beiden Katzen Kikki und Kokko an. Wir achteten ab dem ersten Tag darauf, dass Lucy das Treppensteigen möglichst vermied und trugen sie die Treppen hinauf. Auch übertrieben wir es mit der Länge der Spaziergängen nicht, damit ihre Knochen in der Wachstumsphase nicht zu sehr belastet wurden.

Diagnose Hüftdysplasie (HD)

Lucy wuchs und gedieh. Sie liebte es auf den Feldern herum zu rasen und mit anderen Artgenossen zu spielen. Eigentlich spielt sie mit allen Lebewesen sehr gerne, leider wird diese Vorliebe nicht immer von der potentiellen Spielpartner geteilt. Äußerlich gab es so gut wie keine Anzeichen auf ihre Erkrankung. Für meine Freundin und mich war es aber klar, dass wir unseren Hund im Alter von einem Jahr auf Hüftdysplasie untersuchen lassen.

Als Lucy ihren Röntgentermin, Ende September 2008, in der Tierklinik Dr. Lothar Datan in Wehrheim hatte, konnte die Tierärztin an Hand der Laufbewegung, keine Anzeichen auf eine HD erkennen. Beim Abtasten hatte Lucy Schmerzen im rechten Vorderlauf, auf Grund dessen sollten nun zusätzlichihre Ellenbogen geröntgt werden (Die beiden zusätzlichen Aufnahmen für die Ellenbogen wurden uns nicht in Rechnung gestellt). Die folgende Röntgenuntersuchung ließ Lucy ohne Betäubung über sich ergehen. Anschließend kam die Diagnose: Mittel bis Mittel-Schwere HD in beiden Hüftgelenken. Das war ein Schock für uns, selbst die Tierärztin war etwas verwundert, dass bei dem Hund, trotz des relativ hohen Grades der HD, noch keine äußerlichen Anzeichen im Bewegungsablauf auftraten. Die Schmerzen im Vorderlauf entstanden vermutlich durch Fehlbelastungen, hervorgerufen durch die HD. Hieran ist erkennbar, dass eine möglichst frühe Erkennung und Behandlung für den Erhalt des gesunden Bewegungsapparates absolut förderlich ist.

Die Tierärztin machte uns gleich Mut und nannte Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten, doch die konnten wir in diesem Moment gar nicht aufnehmen und verarbeiten. Wir fuhren erstmal mit unserem Hund nach Hause und kauften Ergänzungsfutter, dass die Knorpelbildung im Gelenk fördert, hierdurch soll das direkte Reiben des Knochen in der Gelenkpfanne durch den Knorpel gedämpft werden.

Behandlung der Hüftdysplasie

Als wir nach zwei Wochen die Diagnose verdaut hatten, nahmen wir wieder Kontakt mit der Tierklinik auf, um die weitere Behandlung von Lucy zu besprechen.
Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich keine Werbung für einen Tierarzt oder Behandlungsmethoden machen möchte bzw. machen kann. Auch kann ich nichts über den Langzeiterfolg sagen, da unser Hund beim Schreiben dieser Zeilen gerade 2 Jahre alt ist. Dennoch möchte ich erläutern welche Methoden uns angeboten wurden, für welche wir uns entschieden haben und was sich am Zustand des Hundes seitdem verändert hat.

Die Behandlung von Lucy wurde in der Tierklinik zur Chefsache gemacht. Dr. Datan schlug uns drei Behandlungsmöglichkeiten vor, die im folgenden kurz vorstellen möchte:

  • Künstliche Hüfte
    Diese Methode ist wohl die effektivste. Sie bekämpft nicht die Symptome der HD, sondern die Ursache der Krankheit. Leider ist diese Methode sehr kostspielig uns wurde eine Summe von 2000-2500 Euro pro Hüftgelenk genannt. Abgesehen davon, dass eine solche Operation unser Budget gesprengt hätte, wollte ich auch nicht einem Hund, von einem Jahr, der noch keine schwerwiegenden Probleme beim Bewegen hatte, ein künstliche Hüfte einsetzen lassen.

  • Femurkopfresektion
    Hierbei wird der Gelenkkopf des Oberschenkelknochens entfernt. Danach entsteht eine bindegewebige Verbindung zwischen Becken und Gelenkkopf des Oberschenkelknochens. Es besteht wohl eine gute Chance auf Erfolg jedoch kann eine dauerhafte Funktionsstörung zurückbleiben. Da durch diese Behandlung, laut unseres Arztes, ein späteres künstliches Hüftgelenk ausgeschlossen wird, haben wir uns gegen diese Methode entschieden.

  • PIN-Operation
    Bei der PIN-Operation wird der Muskel an der Innenseite des Oberschenkels (sog. Kammmuskel) durchtrennt Ebenso erfolgt eine Durchtrennung der Nervenfasern um den Gelenkkapselrand. Eine gleichzeitige Operation an beiden Hüftengelenken ist möglich. Wir haben uns für diese Variante entschieden. Bei dieser Operationsvariante ist zusätzlich eine sog. „Goldakupunktur“ durchgeführt worden. Die hierbei injizierten winzigen Goldstifte wirken wie eine permanente Akupunktur und unterdrücken evtl. auftretenden Schmerzen, hervorgerufen durch athrotische Veränderungen im Hüftgelenk.
    Diese Operation bekämpft nicht die Ursache der HD, sondern lediglich deren Symptome. Durch Minderung bzw. Hemmung der Schmerzen, die eine Fehlbelastung des gesunden Bewegungsapparat hervorrufen können kann dessen Zustand erhalten werden. Über den Langzeiteffekt ist aus meiner eigener Erfahrung noch nicht viel zu sagen, da die Operation erst ein Jahr zurück liegt (Dezember 2008). Die Meinungen von anderen Autoren sind aber uneinheitlich. Bei einer Verschlechterung des Bewegungsablauf kann eine Wiederholung dieser Operation notwendig sein.

Nach der Operation

Die Durchführung der PIN-Operation dauerte ca. 2 Stunden, danach konnten wir unsere, noch etwas benommen, Lucy wieder mit nach Hause nehmen. Es empfiehlt sich min. ein bis zwei Wochen Urlaub zu nehmen, um für den Patienten da zu sein und vor allem das Lecken an den Operationsnarben zu unterbinden.
Nach der ersten Nacht ist Lucy schon wieder in der Wohnung herumgelaufen. Kleine Warnung, in der ersten Nacht hat unser vierbeiniger Freund auf Grund der Anästhesie noch Probleme seine Blasenfunktinalität zu kontrollieren.
Auf lange Spaziergänge sollte man in den ersten Wochen verzichten, ebenso sollte der Hund hierbei nicht ohne Leine laufen. Nach 3 Wochen war Lucy nicht mehr zu bremsen und es hieß bei uns wieder „Leinen los“ wenigstens für ein paar Minuten.
Bei der Nachuntersuchung, nach einem Monat, war Lucy beim Abtasten schmerzfrei, sogar am Ellenbogen waren keine Anzeichen mehr vorhanden. Unser Tierarzt empfahl uns 1-2 Mal im Jahr 3-4 physiotherapeutische Behandlungen zu machen. Diese haben nicht nur unserem Hund sondern auch meiner Freundin gefallen. Bei den Behandlung musste Frauchen nämlich auch mitmachen bzw. sie auch über sich ergehen lassen.

Hüftdysplasie bedeutet keinesfalls für den Verzicht auf ein normales Hundeleben. Unser Arzt empfahl jedoch auf Hundesport zu verzichten, um die Gelenke, besonders das Hüftgelenk, zu schonen.
Bis zum heutigen Tag führt Lucy das besagte „ ganz normale Hundeleben“. Sie geht, rennt, spielt, tobt, springt und bereitet uns viel Freude – Hoffentlich noch viele, lange, schöne und vor allem schmerzfreie Jahre.

Bei diesen Bildern war Lucy 3 Jahre alt, zwei Jahre nach ihrer OP.

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